Deutschland today Artikel: Kulturbote für zwei Wochen - Ferienjob mit Mehrwert

Von Inge Seidenstücker

Bild links: (V.l.) Medea Caballero Scheffer und Alicia Bock auf dem jüdischen Friedhof in Hümme. © Foto: Seidenstücker
Bild rechts: (V.l.) Lotte Höschel und Celina Drechsler bei der Vorbereitung von Plakaten, die auf ein Konzert im Hümmer Bahnhof hinweisen. © Foto: Seidenstücker

 

Hümme – Seinen Horizont öffnen für die kulturellen Schätze in der eigenen Region, seine Fähigkeiten entdecken im Team und in der Arbeit mit Menschen in einem Kulturdenkmal, das stand auf dem Plan der Kulturboten, die erstmals im von der GrimmHeimat initiierten Projekt diesen speziellen Ferienjob ausüben durften.

In Schweden gibt es diese Form von Ferienjob bereits seit einigen Jahren und hat sich dort bewährt. Sie ermöglicht den jungen Leuten das Auseinandersetzen mit der regionalen Geschichte und soll gleichzeitig das Interesse für die Kultur in der Heimat wecken.
An zwei Orten im nördlichen Landkreis, in Helmarshausen auf der Krukenburg und im Mehrgenerationenhaus Bahnhof Hümme arbeiteten jeweils zwei Kulturboten für zwei Wochen in den jeweiligen Einrichtungen. Zu ihren Aufgaben gehörte es Gäste zu empfangen, diese zu der Geschichte und der Nutzung zu informieren und herumzuführen. Ebenso arbeiteten sie im laufenden Betrieb der Kultureinrichtung mit und erarbeiteten ein individuelles Projekt. Zum Beispiel engagierten sich im Hümmer Bahnhof einige der jungen Leute bei den talentCampus-Veranstaltungen, bei denen Jugendliche und Kinder während zwei Wochen in den Sommerferien ihre Fähigkeiten in verschiedenen Workshops testen können. In der Arbeit mit den Teamern aber auch mit den Kindern ergaben sich für die Boten ganz neue Aspekte. Sie beteiligten sich an der Planung ebenso wie an einer kreativen Umsetzung.
So erarbeiteten zum Beispiel Alicia Bock und Medea Caballero Scheffer während ihrer Zeit im Mehrgenerationenhaus Hümme, die jüdische Vergangenheit in Hümme auf. Mit Material von Julia Drinnenberg aus Hofgeismar, die sich mit dem Thema bereits seit vielen Jahren beschäftigt und über ein umfangreiches Wissen verfügt, erstellten sie ein Handbuch mit den Namen und den Übersetzungen von Inschriften der Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Hümme. Dafür besuchten sie den Friedhof, beschäftigten sich mit der Symbolik auf den Grabsteinen und versuchten mit Internetrecherche verwandtschaftliche Zusammenhänge der Menschen die hier beerdigt wurden, herauszufinden.

Ebenso wie die Kulturboten an verschiedenen Projekten mitarbeiteten, warteten auch andere Aufgaben auf sie. Beispielsweise unterstützten sie beim öffentlichen Frühstück dienstags die ehrenamtlich Tätigen. Oder gestalteten eine Wand mit Dokumenten, die die Dorfgeschichte von Hümme belegen, beteiligten sich an Renovierungsarbeiten und halfen beim laufenden Betrieb im Mehrgenerationenhaus.
Das spezielle Ferienjobangebot in Hümme lieferte den Kulturboten jede Menge neuer Eindrücke und gab Einblick in das Ehrenamt sowie in die generationenübergreifende kulturelle Arbeit.

Artikel vom 04.08.2019

Quelle: Deutschland Today