HNA-Artikel: Anerkennung für das Generationenhaus

Am 19. Juli 2019 war folgender Artikel in der HNA Hofgeismar auf Seite 5

HNA-Artikel: Kunst und Kochen im Bahnhof

Am 12. Juli 2019 war folgender Artikel in der HNA Hofgeismar auf Seite 5

Sommerlektüre für die Ferien- und Urlaubszeit

Geschichtskreis Hümme

Aus: Hümmer Geschichte und Geschichten, Pit Morell, Geschichten vom Hümmer Bahnhof - Erinnerungen -, Band II / 2000


In den 50er Jahren kam auch immer der Gemeindediener mit seinem Fahrrad. Er nahm seine Bimmel mit hölzernem Handgriff aus der Aktentasche. Die war an der Querstange vom Fahrrad angebracht, so mit der oberen Lasche um die Stange herum und dann mit dem Schloss festgedrückt. Er fing an zu bimmeln und die Leute kamen aus dem Haus oder guckten zum Fenster hinaus. Er holte einen Bogen Papier aus der Tasche und las die Bekanntmachungen der Gemeinde vor:


„Bekanntmachung! Morgen von 15 bis 17 Uhr werden die Holzscheine für die 12. Zuteilungsperiode ausgegeben.“ So etwa.


Der letzte Gemeindediener Hans Edelkraut (im Dorf Onkel Hänschen genannt) war ein Verwandter oder Bekannter von Wortmanns und Schachts. Er war ein sehr guter Bandoneonspieler und spielte in einer Band mit, glaube ich. Oft hörten wir das Wort „Quetsch-Kommode“. Heute weiß ich eine Blockflöte von einer irischen Metall-Flöte zu unterscheiden. Das Balgen-Instrument Bandoneon – meistens mit 142 Tönen – wurde zuerst 1846 in einer Manufaktur in Deutschland in Carlsfeld im Erzgebirge gebaut. Es gelangte nach Südamerika. Besonders der Tango, der nationale Tanz Argentiniens, der die Seele Argentiniens ausdrückt, erklingt dort vielfältig aus diesem Instrument. Es wurde zu einem nationalen Instrument. Es wird auch das Klavier des kleinen Mannes genannt. Die Arbeit von Hänschen Edelkraut als Schlagzeuger in einer Band sehe ich klar vor mir. Er ist mit dem Bandoneon und seinem Schlagzeug als Alleinunterhalter aufgetreten. In verschiedenen Kapellen wirkte er aber nur als Schlagzeuger mit. Ein Bandoneon ist kleiner als ein Akkordeon und hat einen ganz einzigartigen Klang, der unbeschreiblich ist. Heute sind Bandoneons sehr gesucht. Sie werden immer rarer. Es gibt immer weniger. Sie sind heute eine Kostbarkeit, weil sie nicht mehr gebaut werden. Onkel Hänschen war ein wunderbarer Mann. Immer fröhlich und sehr humorvoll. Wie hätte er sonst Menschen in seinen „Bann“ ziehen, sie froh stimmen und unterhalten können.


Seine Tätigkeit als Gemeinde-Bimmler und Ausrufer der für Alle so wichtigen Nachrichten in diesen Notzeiten spricht nur dafür, dass er in der Lage war, sowohl Musik als auch Nachrichten herüberzubringen. Aber soeben höre ich von Willi Wortmann und da kommt mir die Erinnerung, dass sich Herr Edelkraut selbst zwei oder drei kleine „Musikinstrumente“ gebaut hatte. Die benutzte er immer mal gern. Es waren so runde Stücke, die er mit Pergamentpapier drumherum bespannt hatte und in den Mund nahm. Damit erzeugte er saxophon- oder trompeten-ähnliche Töne. Die passten sehr gut zu seinen Schlagzeugrhythmen. Sie waren rein vokal und ganz eigenwillig und individuell. Ich würde es „musikalische Arte Povera“ nennen. In der damaligen Zeit der Not, der Nachkriegszeit, war das beliebt, es war einfach, kam an, wurde gebraucht, die Menschen konnten wieder lachen und fröhlich sein. Herr Hans Edelkraut nannte sein Instrument „Trompeller“. Daran erkennt man seinen Humor. Er war Unterhaltungskünstler!


Hümme ist in die Kunstgeschichte Deutschlands bereits eingegangen durch Wilhelm Hugues, akademischer Bildhauer aus Hümme, dessen Großvater noch mit einer besonderen, ca. 120 cm langen Elle aus Ebenholz mit weißen Maßeinteilungen zu seinen Auftraggebern ging. Sie war gleichzeitig Zunftzeichen und Gehstock. Im blauen Kittel ging er als Tischlermeister durch die Dörfer.


In der Musik wäre es noch Willi Wortmann, dessen Energie sich gelohnt hat. Er wurde Kammermusiker bei mehreren großen Symphonieorchestern, z. B. bei den Bochumer Symphonikern, der die Kunst der Musik (z. B. Mitte Oktober 1997) wie schon oft nach USA, Los Angeles und Chicago trägt. Vom Hümmer Bahnhof war er gestartet.


Dieses und weitere Hefte, z. B. „Erinnerungen an das alte Hümme“ und „Hümme und der 2. Weltkrieg“ von Anneliese Landefeld sind erhältlich beim Vorstand des Geschichtskreises, Dirk Altmann, Tel. 5057 oder geschichtskreis-huemme@t-online.de.

Geschichten über die Könige der Hobos

Generationenhaus Bahnhof Hümme

Foto:  Richie Arndt, Dr. Klaus-Peter Lorenz und Fredy Gareis (v.l.) - Aufnahme von Frank Wiederhold

 

Fredy Gareis gastierte kürzlich im Generationenhaus. Angekündigt war die Veranstaltung als Lesung, aber eigentlich war es mehr ein Vortrag über die Geschichten der Hobos in den Vereinigten Staaten von Amerika. Umso spannender war es für die Zuhörer, die von den Erzählungen und persönlichen Erlebnissen des Autors Gareis gefesselt waren und an seinen Lippen klebten


So berichtete er über die sogenannten "Hobos", die auf den amerikanischen Traum pfeifen und ein Leben außerhalb der Gesellschaft führen. Getrieben vom Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung fahren die Hobos illegal auf Güterzügen durch das Land. Eine verschworene Subkultur mit eigener Sprache, moralischem Kodex und Liedern, die sich mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn entwickelte und bis heute im Schatten des neon-grellen Amerika weiterlebt. Dreieinhalb Monate reiste Fredy Gareis mit diesen Überlebenskünstlern, Landstreichern und Vagabunden durch ein Amerika, das die wenigsten kennen, und lernte von einem Hobo-König, wie man sich als blinder Passagier durchschlägt. Er erlebte Zusammenhalt und Großzügigkeit, die Weite aus Licht und Wind, Einsamkeit, Gewalt und Drogen. Geschichten, die tiefe Einblicke in die raue Seele der USA gewähren: über die Kraft des Individuums, über Enttäuschung, Wut und über das Glück, arm, aber frei zu sein.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Region Kassel statt und wurde von der Kasseler Sparkasse finanziell unterstützt. Die Begrüßung und das Schlusswort übernahm Dr. Klaus-Peter Lorenz von der VHS.

Richie Arndt spielte während der kleiner Pausen einige bekannte Blues-Stücke auf seinen Gitarren, die überwiegend einen Bezug zur Eisenbahn hatten und begeisterte damit das interessierte Publikum.

Hintergrund:

Fredy Gareis wurde in Alma-Ata geboren und wuchs in einem Arbeiterviertel der Opelstadt Rüsselsheim auf. Nach der Schule schlug er sich als Barkeeper, Medikamententester und Taxifahrer durch und finanzierte so sein Reisefieber. Schließlich Studium der amerikanischen Geschichte und Literatur, gefolgt von einer Ausbildung zum Journalisten an der DJS in München.

Danach tätig als freier Reporter für DIE ZEIT, Tagesspiegel, Deutschlandradio und andere Medien. Fredy Gareis recherchierte unter anderem fünf Monate lang Undercover in der Deutschlandzentrale von Scientology, war Stadtschreiber in Maribor, und berichtete von 2010 bis 2012 als Korrespondent aus Israel und dem Nahen Osten.

18 junge Kulturboten für die GrimmHeimat NordHessen

Bund fördert außergewöhnliche Ferienjobs für Kultureinrichtungen – auch das Generationenhaus ist dabei

In den Sommerferien werden 18 Schülerinnen und Schüler zu Botschaftern für Kulturschätze ihrer Heimat. Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt soll die Identifikation der jungen Menschen mit ihrer Heimat stärken und gleichzeitig den Kultureinrichtungen neue Impulse für die digitale Wissensvermittlung und Kommunikation geben. Dadurch trägt das Projekt wesentlich zu einer Belebung des Kulturtourismus gerade im ländlichen Raum Nordhessens bei.


Auf der Krukenburg in Bad Karlshafen-Helmarshausen, im Generationenhaus Bahnhof Hümme sowie in der Alten Synagoge Vöhl erhalten je sechs Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, als Kulturbote erste Berufserfahrungen zu sammeln und gleichzeitig ihr Taschengeld aufzubessern. Sie beschäftigen sich mit der Geschichte der Orte, empfangen Gäste und übernehmen Führungen. Ausgestattet mit Tablets berichten sie über Ihre Arbeit auch in den sozialen Medien und schaffen so eine neue Form der Öffentlichkeitsarbeit, die insbesondere jüngere Menschen ansprechen soll.


Für die Ferienjobs konnten sich SchülerInnen ab 16 Jahren bewerben. Die Resonanz war überaus positiv. „Die vielen Bewerbungen zeigen, dass wir mit dem „Kulturboten“-Projekt den Nerv der jungen Zielgruppe getroffen haben. Es stärkt die Identifikation der Schüler mit ihrer Region und wertet gleichzeitig das touristische Angebot in der GrimmHeimat NordHessen auf“, erklärt Ute Schulte, Leitung Tourismus im Regionalmanagement Nordhessen. 


Das Projekt orientiert sich an erfolgreichen Vorbildern aus Schweden und ermöglicht jungen Menschen, wertvolle Schlüsselqualifikationen für ihre Zukunft zu erlangen. Aber auch die Kulturinstitutionen profitieren von Kompetenzen der SchülerInnen - eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten lernen können, beispielsweise im Bereich sozialer Medien.


Am Ende der Sommerferien findet eine Auswertung des Kulturboten-Projekts statt, dessen Resultate auf einem Abschluss-Event im Herbst präsentiert werden. „Wir freuen uns, mit jungen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und hoffen auf gute Ergebnisse für beide Seiten sowie einer Fortführung des Projekts im kommenden Jahr “, so Ute Schulte von der GrimmHeimat.


Auf der Krukenburg finden neben Führungen auch Veranstaltungen und Open-Air Konzerte statt. Das Generationenhaus Bahnhof Hümme organisiert Bildungs- und Kulturangebote für verschiedene Zielgruppen wie Jugendliche und Senioren. Die Alte Synagoge Vöhl dient als Veranstaltungsort für Konzerte, Vorträge, Gedenkveranstaltungen und bietet Führungen an.

Kulturprogramm 2019

im Generationenhaus Bahnhof Hümme

                                        
19.01.    15.00    Ausstellungseröffnung  und Konzert Herkules Ensemble
                           
15.02.    20.00    Kabaretistischer Jahresrückblick mit Bernd Gieseking "Ab dafür"
                           
02.03.    20.00    Jazzkonzert mit triosence
                           
22.03.    18.00    Ein Grenzgang - Bergsteiger-Lesung mit Foto-Show
                           
05.04.    19.00    Rockkonzert mit den Supersurfers
                           
12.05.    9.00/15.00    Diemelradwegtag mit Chorkonzert Volkschor Hümme
                           
14. 06.    19.00    Lesung Fredy Gareis "König der Hobos" und Musik Richie Arndt
                           
16.06.    12.00    Weiße Tafel vorm Bahnhof mit Livemusik
                           
23.08.    20.00    Ausstellungseröffnung "Leben ohne Kohle" mit Livemusik
                           
07.09.    20.00    Hör mal im Denkmal: Karbarett
                           
21.09.     20.00    Konzertabend mit dem Projektchor Stammen
                           
16.10.    16.00    Märchentheater am Mächenlandweg: "Das Traumfresserchen"
                           
08.11.    20.00    Rockabend mit The Prisoners
                           
29.11.    19.30    Jazzcombo der Musikschule Hofgeismar


Die älteren Berichte sind im Archiv.